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Wasserburg im Porträt

Stefan Scherer | Kunst und Texte | Wasserburg im Porträt | kuratiert | 20.03.2015 – Galerie im Ganserhaus
„Wasserburg im Porträt“ der Titel unserer Ausstellung, das war gleich zu Anfang erstmal Anlass für viele Missverständnisse. Viele eingeladene Künstler verstanden darunter zunächst Vedutten oder Architekturmalereien oder fotografische Stadtansichten. Nachdem wir das aber aufklärt hatten, bekamen wir eine Menge sehr schöner und vielschichtiger Beiträge zusammen. Die Absicht unserer Ausstellung „Wasserburg im Porträt“ nämlich war und ist ganz ohne Belehrung und eher leicht und witzig die Entwicklung einer Wasserburgansicht, – man könnte auch sagen einer Wasserburg-Meinung – anhand von Porträts seiner Einwohner, seines Bürgertums und seiner Künstler, seiner Freaks und Honoratioren über drei Jahrhundert hinweg, als schaute man in ein Familienalbum von den Großeltern bis zu den Urenkeln samt der längst vergessenen Verwandten. Und so war es für mich ein echtes Vergnügen im Laufe der Recherche in Wasserburgs Familiengeschichte einzutauchen mit seinen sehr persönlichen bis g´schlamperten Verhältnissen.

 

Die Ausstellung beginnt im Vorraum auch gleich mit den im 19-ten Jahrhundert so beliebten, repräsentativen Porträts, also Auftragsarbeiten, die mehr dem Status der Abgebildeten dienten als dem Stil oder dem Talent des Künstlers. Es sind die Eheleute Goetz (gemalt v. Heinrich Georg Dendl) und Ururgroßeltern von Armin Göttler, dem Wasserburger Kunsthändler und Restaurator, der mir bei der Recherche und Zusammenstellung dieser Ausstellung eine besonders große und sehr kompetente Hilfe war. Die kleine Fotografie zwischen den Porträts zeigt die gemalten Ururgroßeltern noch einmal quasi in Natura.

 

Als Entdeckung empfand ich auch die aus Berlin stammenden und kurz nach dem 2. Weltkrieg in Wasserburg ansässige Malerin Heia Stöcke, deren Selbstporträt den Goetze-Porträts gegenüber hängt. Sie wohnte kurz nach Kriegsende mit ihrer Lebensgefährtin im kleinen Bauernhof unterhalb der Schellvilla und pflegt dort die Malerei und ihre okkulten Neigungen. Und fast wie eine Vorwegnahme der siebziger Jahre mit ihrer Hinwendung zu asiatischen Lebensphilosophien erscheint mir Ihr 1948 gemaltes Selbstporträt als buddhistische Priesterin mit Ritualobjekten und Katze. Während Heias Temperamalerei die Ganzheitlichkeit beschwört, geht es Dominic Hausmann in seinem Selbstporträt als Fotoinstallation wohl um das Gegenteil. In bearbeiteten, postkartengroßen Fotografien zeigt Dominik Hausmann in lockerer Hängung verschiedene Aspekte seiner Selbstwahrnehmung und schlüsselt seine Person – ein bisschen verrätselt – auf in unabhängig voneinander agierende Ansichten. Und es wäre nicht Dominik Hausmann hätte die Installation nicht diesen Schuss Humor, wie man an dem Bildchen, in dem er als einer von Raphaels berühmten Engeln auftritt gut erkennen kann. Auch die Skulptur gleich daneben, die uns unter vielen anderen Werken in dieser Ausstellung vom städtischen Museum zur Verfügung gestellt wurde, gibt uns ein kleines Rätsel auf. Wir wissen nämlich nicht genau, ob es der Musiker Benedikt Zaininger ist oder der März-Revolutionär Benedikt Zaininger von 1848, was unserem Vorstandsmitglied von der SPD Wolfgang Janeczka natürlich das liebste wäre.

 

Weiter geht’s mit den Porträts der Eheleute Enzinger, von denen wir nur die Lebensdaten haben, also zweite Hälfte 19-ten Jahrhunderts und aller Wahrscheinlichkeit nach – trotz fehlender Signatur – gemalt vom Wasserburger Bürgerporträtisten Heinrich Georg Dendl, der auch die Wasserburger Familien Gassner und Palmano malte. Lorenz Adalbert Enzinger war zur seiner Zeit ein berühmter Bierbrauer, besonders durch seine Erfindung des Bierfilters.

 

Mindest so bekannt – zumindest in der kulturell engagierten Wasserburger Gesellschaft – ist heutzutage Dorle Irlbeck, hier im gezeichneten Porträt von Rainer Devens und natürlich Ehrengast unserer Vernissage. Mit Rainer Devens bin ich übrigens in Sachen Porträt nicht immer einer Meinung, wie ich in unseren Vorgesprächen zur Ausstellung feststellen konnte. Während für Rainer nämlich die Erkennbarkeit des Porträtierten wichtiger Bestandteil eines guten Portraits ist, würde ich das als sein Malerkollege lieber den Fotografen und Scannern überlassen. Man darf sich in diesem Zusammenhang nämlich ruhig mal fragen – und gerade in dieser Ausstellung -, was angesichts der modernen, bildgebenden Systeme und Wiedererkungsverfahren die Aufgabe von zeitgenössischer Malerei oder Zeichnung in der Porträtkunst sein kann. Tatsächlich und vordringlich die Wiedergabe der physiognomischen Oberfläche in aller handwerklichen Geschicklichkeit, wie im Porträt von Dorle Irlbek? Ich hab da meine Zweifel.

 

Technisch moderner, aber umso romantischer ist das Selbstporträt der Wasserburger Graphikerin und Fotografin Adelheid Schmidinger; ein Gesicht, wie ein aus einer fantastischen Fauna herausgewachsenes Märchenwesen. Den größten Teil der Ölmalereien im nächsten Raum verdanken wir einem, wie ich finde spektakulären Dachbodenfund von Armin Göttler, nämlich das verschollene Werk des Males Ludwig Weninger. Im Zuge des Verkaufs des Fletzingergeländes wurde auch das Kulbingerhaus in der Salzenderzeile in dem Andreas Ass jahrelang seine Markthalle hatte verkauft. Der Vorbesitzer wusste zwar von dem Nachlass Weningers auf seinem Dachboden, maß ihm aber keine weitere Bedeutung zu, auch weil seit über dreißig Jahren keine Ansprüche mehr geltend gemacht wurden. Nur manchmal holte er sich ein Aquarell oder eine Zeichnung zur Dekoration seines Hotels. Erst mit dem Verkauf und quasi beim Entrümpeln konnte Armin Göttler ein Blick auf den über fünfhundert Arbeiten enthaltenen Nachlass werfen und das Werk retten. Über das Kriegschicksal des Künstlers selbst weiß man nur, dass er Zeitzeugen zufolge 1945 auf der Flucht vor anrückenden US-Truppen von einem amerikanischen Soldaten erschossen wurde. Somit gehört der Maler Ludwig Weiniger als Künstler zur sogenannten verschollenen Generation.

 

Verschollene Generation ist die Bezeichnung für deutsche, bildende Künstler, Musiker und Literaten, die durch die Vorgaben zur Kunst im Nationalsozialismus an ihrer Wirkung gehindert wurden, etwa durch Ausstellungs-, Veröffentlichungs- und Aufführungsverbot oder Beschlagnahmung der Werke in Museen, während der propagandistischen Aktion „Entartete Kunst“ von 1937. Stilistisch bewegten sie sich hauptsächlich zwischen Expressionismus und expressiven Realismus. Ich bin deshalb besonders froh, dass wir vier seiner Werke in dieser Ausstellung zeigen können. Das ist einmal das großformatige (10) Porträt seines Vaters und weiter zwei kleinformatige Arbeiten, erst das Porträt seines Professors und als zweites eine ebenso köstliche, wie malerisch-spannende Liebeserklärung an die seinerzeit berühmte Nackt- und Grotesktänzerin Gertrud Leistikow, mit der er eine leidenschaftliche Beziehung hatte.

 

Weit weniger verschollen im Wasserburger Bermudadreieck zwischen Zentral, weißem Rössl und der Burg ist der Wasserburger Maler Willy Reichert und bei uns heute vertreten mit einem Selbstporträt in der für Ihn so typischen Kollagemalerei.

 

Ein kleines Highlight an der Stirnseite des Raumes ist die großformatige Leihgabe der Familie Irlbeck. Es ist das Bildnis eines jugendlichen Verwandten der Familie aus der ersten Hälfte des 20-ten Jahrhunderts und gemalt von dem damals überregional bekannten Maler Hermann Schlittgen, der nach einer satten Malerkarriere 1918, „…61-jährig nach Wasserburg zog und sich gänzlich der Malerei widmend, viele Jahre in dieser Stadt verbrachte und zum ihrem kunsthistorischen Bild beitrug. Am 8. Juni 1930 verstarb Schlittgen und hinterließ in Wasserburg sein zeichnerisches und malerisches Werk“. Im nächsten Raum haben wir als erstes eine ganz wunderbare Temperamalerei. Ein für mich ganz ungewöhnliches Werk des Wasserburger Malers Rudolf Englberger. Wir kamen zu der schönen Arbeit durch einen ebenso schönen Zufall. Unsere Nachbarin, sah mich im Vorbeigehen die Ausstellung hängen und bot mir spontan ihre Schätze an. Eine schöne Zeichnung von Stefanie Höllering, der Malerin und früh verstorbenen Lebensgefährtin des Malers Peter Casagrande und eben zwei Arbeiten des Wasserburger Malers und ehemaligen Zahnarztes Rudolf Englberger. So bekamen wir also auf den letzen Drücker diese schöne Malerei, wissen aber nicht ganz genau, wer dargestellt ist, ob eine (15) Freundin oder seine Lebensgefährtin. Diese offene Frage kann man aber auch als Indiz für Englbergers schon in den 60er Jahren avantgardistische Lebensführung betrachten. Rechts daneben hängen in zwei Rahmen Sammlungen verschiedener Zeichnung von Lisa Endriss, deren Arbeiten es mittlerweile bis nach New York geschafft haben. In ihren rudimentären Linien, die in ihrer Schlichtheit mehr den Bildraum definieren als die Persönlichkeiten, die sie darstellen sollen, erkennen die Wasserburgkenner und Eingeborenen der Altstadt aber trotzdem gleich Bernhard und Melanie vom Zentral oder Frau Ass aus den Markthallen. Die drei raumbeherrschenden Skulpturen die sich da schwer und dunkel in Lisas Comicporträts spiegeln sind im Stil und Material ganz unübersehbar eine Arbeit von Ute Lechner. Die Geschützten heißen die überlebensgroßen Skulpturen und wirken in ihrer überdimensionalen, verussten und verwitterten Düsternis, wie eine Allegorie auf die Ambivalenz von Sicherheit und Bewegungsfreiheit, diesem uralten Konflikt des staatlich- oder städtisch organisierten Bürgertums.

 

Das für mich aber beeindruckenste Werk dieses Raumes ist das Knabenbildnis aus der Familie Kern aus dem 17-ten Jahrhundert. Als ich es zum ersten Mal im Städtischen Museum sah, wollte ich es unbedingt für die Ausstellung haben. Allein schon des Rots wegen aber auch wegen der für die Zeit ungewöhnlichen Darstellung dieses Knaben mit Hund. Und nicht zuletzt bekamen wir dann noch das Glück einer kongenialen oder synergetischen Ästhetik dieses frühbarocken Bildes in Verbindung mit den zeitgenössischen Skulpturen von Ute Lechner.

 

Wenn wir jetzt die Treppe hinaufgehen schaut mit einem Blick voll kritischer Erwartung das Porträt von Anna Elisabeth Gaigl von Johann Georg Delser auf uns herab. Es ist ein, gerade im Barock sehr in Mode gekommenes typisches Standesporträt zwischen Spätbarock und Klassizismus mit seinen akribisch gemalten Schmuckstücken, Stickereien und wohlstandsvermittelnden Accessoires und dazu noch ganz wunderbar erhalten. Ihr rechts gegenüber hängen 4 Kinderbildnisse aus der Familie Gerbl in „einem“ Rahmen. Eine auf Blech angelegte Biedermeiermalerei, die es sich leistet in witziger Weise auf anatomische Genauigkeit zu verzichten und den porträtierten Kindern so etwas wie eine puppenhafte Niedlichkeit verleiht. Gegenüber hängen vier Zeichnungen des bekannten Wasserburger Karikaturisten und Illustrators August Geigenberger aus der Schatzkammer der Wasserburger Stadtsparkasse. Es war schwer etwas herauszubekommen über Entstehungszeit und wer auf diesen Zeichnungen dargestellt ist. Es ist einmal ganz augenscheinlich ein Musiker oder Dirigent, ein wenig wie ein Pinguin, ein bisschen eitel und auf Wirkung bedacht und auf der mittleren Zeichnung – das erfuhren wir von Fritz Armbruster – zieht jemand am Ohr des Schriftstellers, Kabarettisten und Malers Joachim Ringelnatz. Ringelnatz besuchte in den dreißiger Jahren oft und gern die berühmt-berüchtigten Künstlerfeste seiner Wasserburger Freunde, wie dem Maler Karl Wähmann und dem Simplizissimus-Redakteur Peter Scher im Hesse-Schlösschen, der Villa der Familie Kobe, die früher auf dem Gelände der heutigen Kreiskrankenhaus stand. Und weil es uns natürlich interessiert, wer sonst noch so auf diesen Zeichnungen dargestellt ist, haben wir uns eine Publikumsbefragung mit Belohnung ausgedacht. Wer also von Ihnen etwas darüber weiß, möchte sich doch bitte an uns wenden und dann gibt’s ein Jahresabonnement oder der AK68 denkt sich bis dahin noch etwas Originelleres aus.

 

In meinem gesprochen Rundgang geht´s aber jetzt in unser Mini-Kino. Gezeigt wird (27) Mein Wasserburg, das filmische Porträt eines Wasserburger Künstlers von David Röder. Röder zelebriert hier zusammen mit seinem Künstlerkollegen Dominik Hausmann die ganze Melancholie und den hehren Weltschmerz, der sich zwischen den öden Fassaden einer ignoranten Architektur entwickelt um schließlich an einer anonymen Bushaltestelle Neu-Wasserburgs vollends über ein sensibles Künstlerherz hereinzubrechen. Das ganze ist dabei so anrührend, dass man Tränen lachen kann. Zum Ausgang hin hängt sehr plakativ eine (28) Hommage an den Künstler Fritz Armbruster und darunter wiederum ein (29) Hommage Fritz Armbrusters an seine Kollegen. Im Durchgang begegnen wir dann noch dem (30) Bildnis eines adligen Herren, das mir wegen seiner Patina, dieser so wunderbar transparent gemalten Stickereien seiner Manschetten und überhaupt wegen seiner uns heute so feminin erscheinenden Aufmachungen auffiel. Jedenfalls strahlt sein Porträt weit mehr Femininität aus, als das der (21) Katharina Gräf im selben Raum. Ich fühlte mich unwillkürlich an Otto Dix erinnert und Sonja Fehler von städtischen Museum, der ich sehr dankbar für ihre freundlich Unterstützung bin übergab mir schmunzelnd das Porträt mit den Worten: „und hier die vorweggenommene Sachlichkeit“ Aber natürlich ist es, trotz der herben Erscheinung der Katharina Gräf ihren Lebensdaten nach zu schließen ein klassizistisches Werk. Die Familie Gräf besaß im 19-ten Jahrhundert eine Brauerei in der Färbergasse und noch heute gibt es den Adam-Gräf-Keller im Wasserburger Kellerberg.

 

In unserem nächsten und größten Ausstellungsraum konnten wir Porträts aus vier Generationen versammeln. Das ist zum ersten das Porträt des Anton Dempf von August Geigenberger von 1906, dann das Ölbild einer unbekannten Dame von Rudolf Engelberger, schätzungsweise aus den 60er bis 70er Jahren, und eine Fotografie des C.A. Wasserburger als Aboriginie von Bettina Böhmer aus dem Jahre 2001 und wie ich finde sehr typisch für einen Künstler seiner Generation. Wie man ganz unschwer erkennen kann, schwebt da immer noch der Einfluss der Arte Povera über die schneebedeckte Wiese. Wer aber genau hinguckt sieht in der Fotografie Bettina Böhmers schon ein grünes Hälmchen wachsen.
Und schließlich das Triptychon all of me von mir aus dem Jahre 2009. Ich hatte gerade den Linolschnitt für mich wiederentdeckt, wollte das aber alles viel größer und nicht so fummelig wie in der Schule. Also besorgte ich mir einen großen Linoleumteppichrest von Teppich-Kern und schnitt mir mit der Motorsäge das Selbstporträt heraus. Die drei Porträts sind also sozusagen alle vom selben Druckstock, nur immer ein wenig anders gedruckt, mal flüssiger, mal mit mehr Farbe und auch mal mit einer ganzen Kanne Kaffee als Verdünner.

 

Auch gar nicht fummelig geht David Röder in seiner teils autobiographischen und tragisch-lustigen Bildergeschichte vom Knecht Rödrich mit dem Schicksal eines Künstlers um. Am Ende, nach einer Odyssee vom Selbstzweifel bis zur Isolation des Unverstandenen, wird der Künstler auf dem Heimweg nach Schnaitsee vom Blitz erschlagen und samt seiner Kunst begraben. Gott sei Dank bewirbt sich in Wirklichkeit David Röder gerade an der Royal Akademie nachdem er in Glasgow fertigstudiert hat. Zwischen Röders Comictragödie befindet noch eine Godzilla-Kollage von Vera Moritz Godzilla will come, gegenüber eine Zeichnung, der früh verstorbenen Malerin und damaligen Lebensgefährtin des Malers Peter Casagrande, Stefanie Höllering und daneben das satirische Blatt Mater Dolorosa der anfangs schon erwähnten Malerin Heia.

 

Ganz zum Schluss darf ich ihnen jetzt noch unseren Film im Kellergewölbe empfehlen. Es ist ein Wasserburgporträt der besonderen Art über zwei Wasserburger Qualtingerbewunderer, die sich Ende der 1980-er bewusst – so scheint es jedenfalls – dem Alkohol verschrieben hatten. Binus und Scheibi, die Hauptdarsteller des kurzen Dokumentarfilms Die Legende vom Heiligen Trinker von Henriette Schröter entwickeln in dem Film ihre ganz persönliche Sichtweise auf die Stadt. Ob ihre alkoholgetränkte Wahrnehmung dabei eine Einschränkung oder Erweiterung darstellt bleibt erstmal dahingestellt. Das was die Beiden da aber anstellen beschreibt auf alle Fälle eine Szene, wie es sie in tausend anderen Kleinstädten auch gibt.

 

So ist am Ende die Stadt Wasserburg, seine Geschichte und seine Gesellschaft nicht nur etwas sehr Besonderes in ihrer außergewöhnlichen Kunstsinnigkeit, sondern eben auch sehr normal auf allen Ebenen einer typisch oberbayerischen Kleinstadt. Gerade aber in diesem Zusammenhang scheint mir die Entwicklung der Porträtkunst, – die wir in dieser Ausstellung anhand Wasserburgs versuchen zu veranschaulichen – ,wie eine Metapher für das Erwachsenwerden unserer Wahrnehmungsästhetik, – unseres Blickes auf die Welt, – von der reinen, wieder erkennbaren Oberfläche, – dem Normalen, wie in den repräsentativen Porträts der vergangen Jahrhunderte – bis hin in die zeitgenössische, subjektive und subversive Inszenierung des Gesichts, als emotionales und außergewöhnliches Ereignis. Denn wie Oskar Wild sagt: „Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert“.

 

Stefan Scherer | 20.03.2015

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