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Helden | Mitgliederausstellung 2010

Stefan Scherer | Kunst und Texte | Helden – AK68 Mitgliederausstellung 2010 | Galerie im Ganserhaus | 02.12.2010

 
Wie jedes Mal, wenn wir die Einreichungen der Mitgliederausstellung sichten, freuen wir uns auf das Abenteuer mit den vielen verschiedenen Arbeiten, fürchten aber gleichzeitig das Hängen dieser oft stark divergierenden Positionen – ein bisschen hilft aber schon das Leitmotiv, – für 2010 also das Helden-Thema von Manuel Michaelis – aber die Vorstellungen und Ansichten bleiben so vielschichtig wie die Techniken und Medien der Arbeiten.
Es ist also eine ziemliche Herausforderung diese, an die hundert Werke zu fassen und am Ende auch zu lassen und so war es für uns schön und sinnig, dass wir gleich zu Beginn dieser Ausstellung die Besucher mit Silvia Hatzls Werk begrüßen können mit dem Rilke-Zitat getitelt : „Sei allem Abschied voran, als wäre er hinter dir, wie der Winter“. Und so möchte ich mal versuchen nur eine paar Stationen dieser darauf folgenden Kunst-Odyssee zu benennen.
Nach Silvia Hatzls Köpfen, die ein bisschen aussehen wie die Kinder der Revolution, der Befreiung und des „Terruer“ geraten wir gleich, hier im nächsten Raum an dessen Nachkommen, dem Terrorismus der Gegenwart in der Arbeit „Ikarus and its Twins“ aus Manuel Michaelis hier zu sehenden Heldenzyklus.
Die Fragwürdigkeit von Helden – und Märtyrertum, ihre Ambivalenz und Deutungsmöglichkeiten reflektiert Manuel Michaelis hier klug, sinnfällig und augenscheinlich in vier Szenarien, dem Fall der Mauer, der Eroberung des Weltalls und dem selbstlosem Heldentum im Angesicht der Katastrophe von Tschernobyl .

 

Eine ganze andere Welt, genauer gesagt die der Alltagshelden und Familienheroen betreten wir mit Petra Schunks Wäscheleinenfotografie. Dazu gehören auch Harald Seldlmeier Familienfoto seines vom Schicksal hart getroffenen Bruders, die großformatigen und so seltsam stillen Porträts von Nadja Schrade, Katrin Meindls witzige Schraubenmutterassemblage, Josephs Köstler gemalte Grossmutter, – ganz rätselhaft und sexualmedizinisch „G -Punkt“ getitelt, Thomas Rocks Hackenkreuz-demontierendem Nachkriegsvater und nicht zuletzt das Selbstdokument von Walter Voss als „Deux-Chevaux Pilot“.
Im selben Raum im ersten Stock befassen sich Ute Lechner und Hans Thurner mit den toten Helden und den Opfern des Krieges. Auch Ernst Lechners Thema sind die Gefallenen, aber diesmal erschreckend nah sind es die toten Bundeswehrsoldaten aus Afghanistan.
In einem starken Kontrast dazu stehen u. a. die Arbeiten von Vera Moritz, Angela und Dominik Sans, Manfred Feith Umbert, Birgit Binder und Mario Aversano, die aus der Perspektive von Kindheit und Komik, Pipi Langstrumpf und Micki Maus ironisch bis nostalgisch Erettungsphantasien und Heldendämmerungen persiflieren.

 

Wichtige Stationen dieser Heldenfahrt sind auch die „Abstrakten“, wie das Dyphtichon von Hanne Kiefer, Sigi Brauns Ikarus und die informell- expressionistischen Arbeiten von Jutta Haupts, Birgit Bosshammer und Ursula Kammerl.
Ganz am Ende des Rundgangs, wenn sie diesen Dschungel der Heroen und ihrer so ambivalenten moralischen und politischen Erscheinungen schon wieder verlassen haben grüßen sie schließlich aber noch einmal die Häupter der grandios gescheiterten, die Täter und Opfer, das Helden-Phänomen welches, wie in der Kunst über sich selbst hinausweist mit diesem schönen Zitat: „Sei allem Abschied voran, als wäre er hinter dir“

 

Stefan Scherer | 02.12.2010

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