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Andrea Viebach & Edith Todt

Stefan Scherer | Kunst und Texte | Andrea Viebach – EdithTodt | Galerie im Ganserhaus | September 2009

 

Dass diese Ausstellung so zustande kommen konnte, ist u. a. das Ergebnis einer, nun schon länger andauernden Zusammenarbeit in verschiedenen, gemeinsamen Projekten der beiden Künstlerinnen.

 

Ihre künstlerische Haltung und Umsetzung weisen dabei immer starke Parallelen auf.
Nicht nur das Medium Fotografie als immanenter Bestandteil, sondern auch ihre räumliche Auffassung und das Experiment, diese flachen Abbilder zu verkörperlichen, ist das Bestreben der Künstlerinnen.

 

Dass beide von der Bildhauerei kommen erklärt ein wenig diesen Ansatz. Ihre gemeinsame Arbeitshypothese also ist es den Motiven der verwendeten Fotografien ihren ursprünglichen Körper, ihren Raum, ihre Dreidimensionalität zurückzugeben. So vergeblich es nun scheint, das Abgebildete aus seiner fotographischen Gefangenschaft zu befreien, so poetisch sind die hier gezeigten Unternehmungen in dieser Hinsicht. Wird bei Edith Toth das fotografische Material mit Wachs übermalt und auf Objekte kaschiert um sie ins Räumliche zu erweitern, so entfalten die Fotografien auf den Objekten Andrea Viebachs durch Verzerrung ihre dreidimensionale Wirkung.

 

Andrea Viebach projiziert ihre Fotos oder montiert das zweidimensionale Bild als Papierdruck auf einen gekrümmten Raum-Körper, eine Halbkugel oder Schale aber auch auf viele andere, teilweise kinetische Objekte, wie z.B. ihre Diaprojektionen auf sich drehende Stoffzylinder. Je nach Blickwinkel und Standpunkt verändern sich nun die Bilder und so werden auch die Standpunkte und Sehgewohnheiten des Betrachters herausgefordert. Andrea Viebach nimmt förmlich ihre Bilder in die Mangel und unterwirft auch uns und unsere Wahrnehmung dabei einer wunderbaren Katharsis, einer spielerischen und heilsamen Auflösung der Gewohnheiten, der gesicherten Standpunkte und Blickwinkel.

 

In ähnlich subversiver Weise begegnen uns die Bildmotive in den Arbeiten Edith Toths. Auf Kuben, Quadern und anderen Körpern montiert erscheinen uns die Abbilder durch Wachsübermalungen wie konserviert in ihrer neuen Dreidimensionalität. Toths verwendetes Bildmaterial besteht dabei aus Alltags- und Familienszenen, wie aus einem Fotoalbum. Amateurhaft komponiert wirken die Fotos beiläufig und vorgefunden und bekommen so eine eigentümliche Authentizität.

 

Gemeinsam aber ist beiden, Andrea Viebach und Edith Toth dieser, vielerlei Perspektiven zugleich umfassende Blick, der ihre Werke charakterisiert und den sie uns hier in dieser Ausstellung schenken. Wie die Künstlerinnen schließlich postulieren ist eben dies nicht zuletzt das Mittel wie in aller Kunst, sich dem „Zugrundeliegenden“, dem „Dahinter“ zu nähern.

 

Stefan Scherer | Sept. 2009

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