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Mensch und Maschine | AK68 Mitgliederausstellung 2013

Stefan Scherer | Kunst und Texte | Mensch und Maschine – AK68 Mitgliederausstellung 2013 | 08.12.2013 – AK68 Galerie im Ganserhaus

 

Ärgern sie sich nicht mehr über lästige Charaktereigenschaften, ihr Unvermögen oder gar ihr Aussehen. Sie müssen nicht mehr akzeptieren wie sie sind. Das jedenfalls verspricht der Prospekt des Schönheits- und Eigenschaftsautomaten unseres diesjährigen Konzeptgebers Andreas Fischer, eine Persiflage über den maschinellen Hoffnungsträger, den automatisierten Ausweg vor unseren biologischen und seelischen Unausweichlichkeiten, der es dem geneigten Usern ermöglichen soll ein Mensch nach den endgültig eigenen Vorstellungen zu werden.

 

Fischers Installation im Untergeschoss zeigt eines seiner typischen Aggregate, absurde Bodybildung- und Facelifting-Automaten samt einer Maschine für geistiges Finish und ist, so wie ich es verstehe ein kunstgewordener Weckruf gegen geistiges Phlegma, Technikfatalimus und Konsumgier. „Mensch und Maschine“ war sein diesjähriger Themenvorschlag, den der AK68 mit insgesamt siebzig Werken seiner aktiven Künstler und deren großer schöpferischer und wirklich spannender Bandbreite umsetzen durfte.

 

Und ich leg auch gleich los, weil ich alle Künstler und ihre Arbeiten, wenn vielleicht auch nur mit einem Satz erläutern und würdigen möchte, so gut ich das eben kann. Unser Rundgang beginnt mit Harald Sedlmeiers Fotokollage „Zeitarbeit Handarbeit“, einer Gegenüberstellung abstrakt-maschinell gemessener Zeit und der sinnlich erfahrbaren Gegenwart von Jahreszeit und ihrer Zeichen und davor und so grau wie Sedlmeiers Schwarweißfotografien die Skulptur von Richard Wenzl „aufrecht“, ein ambivalent, abstrakt- organisches Objekt.

 

Weiter geht es mit einem für mich ungewöhnlich abstrakt-expressionistischen Arbeit von Omi Schneider „Auf dem blauen Wagen“ und hier gegenüber die Fotografie von Karin Schneider- Henn „Auf der Suche“, das Fragment einer Industrie-Installation mit zwei Gucklöchern, als wär´s ein gusseisernes Fernglas. Daneben hängt die Arbeit „Eigentor“ von Angela Sans und ich denke, dass wie schon der Titel vermuten lässt in Sans Gemälde vor allem ein fortschrittskritischer Inhalt in graues Acryl gegossen wurde.Formal ein wenig strenger gibt sich Regula Marquardts „Handschrift in digitalem Blau“ und natürlich ist das Wort „digital“ Regulas klammheimlicher Ausstellungsbezug. Noch strenger und ein wenig ins grausame tendierend zeigt sich die Keramik von Cornelia Sommer. Ein Torso mit einem, wie in ihn hineingerammten Zahnrad als Kopf. Darauf folgt die zarte Tuschezeichnung von Regine Pohl, ohne Titel zwar aber man erkennt doch eine Art Maschinenarm aus dem irgendetwas Gehexeltes strömt. So klein wie fein und ein bisschen grotesk. Und aus seiner Reihe “schweres Gerät“ zeigt Rainer Devens die Acrylarbeit „Bizeps“,  der malerisch-blaue Close-up eines Roboterarms.

 

Wolfgang Dietrich beteiligt sich im folgenden Raum mit einer geometrischen Abstraktion. Sein Titel: „Maschine und Roboter“ lässt aber auch etwas Figürliches vermuten. Man kann sich davorstellen und hin- und herzappen zwischen reiner Abstraktion oder der geometrisch-figurativen Darstellung eines Dialoges. Ich hab´s ausprobiert und hoffe, dass Wolfgang Dietrich uns dieses Spiel mit seiner Arbeit auch erlaubt. Gegenüber hängt eine kleinformatige, akribische Acrylarbeit von Johann Plank, der gemalte Blick in das abstrakte Gestänge des Riesenrades im Wiener Prater und gleich daneben ein so schlichter, wie schöner Akt auf Millimeterpapier von Sieglinde Bernd. Eine wirklich schöne Metapher über das Zusammentreffen von menschlichem Duktus und maschinellem Raster. Ein bisschen bunt und großformatiger hab ich (Stefan Scherer) mir erlaubt meine Kaffeemaschine „KM 121“ zu porträtieren und in diese Ausstellung zu geben. Sie steht bei mir im Atelier und macht mir seit Jahren furchtbaren Kaffee.

 

Jutta Meier gleich neben mir zeigt eine Mischtechnik mit dem Titel „überrollt“, und diese Mischung einer Drucktechnik, wie der Abdruck eines Reifens über eine Bleistift- oder Kohlezeichnung gelegt ergibt einen überraschend schöne, graphische Komposition. Reine Malerei hingegen gibt es wie gewohnt von Marta Fischer. Eine Zeichenmaschine in pastellfarbener, pastoser Ölmalerei, die aussieht wie modelliert.

 

Daneben etwas ganz Kleines von Dorit Winzenz, ein Tuschegeflecht und „Herzmaschine“ getitelt in dem es viel zu spekulieren gibt und ganz zum Abschluss dieses Raumes das Bild von Elisabeth Mössbauer „Maschinenschrott“, eine Acrylmalerei in spätexpressionistischer Anmutung. Im nächsten Raum erscheint zunächst eine Teekannen- oder Samovar-Nahaufnahme von Franziska Eslami, die durch die fehlende Größenreferenz im Bildraum, die Gefäße wie riesige surreale Brauereikessel wirken lassen. Der Digitaldruck ist aber ganz hilfreich erklärend „teatime“ getitelt.

Silvia Hatzl, die zwischen Wasserburg und Brüssel pendelnde Künstlerin zeigt auch hier eines ihrer bevorzugten Sujets, die Darstellungen archetypischer Kleidungsstücke, wie Hemden oder Umhänge aus papyrusartigen Materialien, diesmal in einen Metallrahmen gespannt und verdrahtet in Anspielung auf industrielle Werkstoffe. Stein ist der Werkstoff von Ernst Lechner, dem Mühldorfer Bildhauer. Sein Beitrag zu „Mensch und Maschine“ ist eine großformatige weiß-steinerne Schraube auf einem schwarzen Sockel. Das Einreichungsformular wurde aber folgendermaßen von ihm ausgefüllt. Name: Lechner, Titel: „Schraube ohne Titel“,   Preis: 75 Euro pro Stunde. Wir haben dann telefoniert und ich habe mir den Preis erklären lassen. Es ist die Kalkulation einer quasi mechanisierten Zeit und am Ende haben wir, wenn ich das mal weiterspinne eine wunderschöne Schraube locker, nämlich die von Ernst Lechner. Weil man das aber der Versicherung nicht so ohne weiteres erklären kann und auch so manchem Besucher nicht, haben wir den Preis aus Lebenszeit und Kreativität am Ende doch in eine feste Summe übersetzt. Dahinter hängt die abstrakt-impressionistische Farbkomposition zu Mensch und Maschine von Ursula Kammerl.

 

Das beherrschende Objekt in diesem Raum aber ist Hans Thurners Zeichenmaschine. Wie ein zeitgeschichtliches Relikt der industriellen Revolution rotiert da ein manisches Monster, das man beizeiten abstellen muss bevor es alles schwarzmalt. Leider kann man das köstlich absurde Objekt nicht erwerben aber dafür die von ihr produzierten Blätter für kleines Geld und in jeder Malphase und erhält damit gleichzeitig ein Gleichnis über die Zwanghaftigkeiten einer mechanisierten Welt. Daneben in einem geradezu kongenialen Gegensatz hängt Birgit Jungs Bild „Redundanz Nr. 1328“, eine vor grauer Farbe triefende Bildfläche und parallel zu Lechners Zeichenmaschine, der man beim „Zuviel“ zuschauen kann, zeigt Birgit Jung hier ein finalgeronnenes Übermaß.

 

Wenn sie jetzt die Treppe hoch gehen folgt gleich rechts eine ungetitelte fotographische Überblendung von Diana Pinker und das ironisch-makabere Gemälde von Peter Dubina: „Sand im Getriebe“, wobei mit Getriebe wohl das Gehirn gemeint ist. Und weiter frontal zur Treppe hängt der Balanceakt von Brigitte Bosshamer, eine Mischtechnik in zwei Teilen mit abstrakt-technoiden Zeichen.

 

Katharina Sigl, die in letzter Zeit ein rege Ausstellungstätigkeit in Wasserburg entwickelt hat, zeigt ein kleine nur minimal bearbeitet Fotographie, fast wie ein kleines Readymade und davor steht Ute Lechners Kaffee-Mühle, die ihr ihre Ateliervorgängerin und Bildhauerin Luise Stomps in der wunderschönen Mühle in Rechtmehring hinterlassen hat. Ute Lechner machte daraus ein Objekt in dem sie die Kaffeemühle auf ein Stativ montierte und in ein surreales Wesen umdeutete. Und als ich eine zeitlang davor stand assoziierte ich unwillkürlich Meret Oppenheims Pelztasse… beide besitzen für mich diese bizarr-ästhetische Unbrauchbarkeit.

 

„Trauer aus dem Fluss der Dinge“ ist der Beitrag von C.A. Wasserburger und für die, die es noch nicht wissen, einer unserer Vereinsgründer. Geprägt durch die sechziger und den „nouveau realisme“ um Daniel Spoerri und Jean Tinguelly zeigt uns C.A. Wasserburg einen der vielen Objektkästen seines Oeuvres. Ein kleiner Kasten mit so etwas wir einer Sprühvorrichtung unter der sich brummend ein Rädchen dreht und das garantiert so zweckfrei wie ästhetisch. Gegenüber und wie es scheint mitten aus Leben, wirkt Tamara Crimanns Fotografie eines offensichtlich beglückten, jungen Mannes im Motorboot und nebenan zeigt Hanne Kiefer eine ungetitelte, zweiteilige, abstrakte Mischtechnik.

 

Im nächsten Raum erscheint, wenn wir der Logik unseres Rundgangs folgen gleich links, das Werk „Giant“ von Andrea Probst, die teils übermalte und bearbeitet Fotografie eines – wie ich glaube – riesigen Schaufelbaggers aus den Braunkohle-Bergbau, der optisch wohl zum Beeindruckensten gehört, was die Welt der Maschinen zu bieten hat.

 

Sehr viel zurückhaltender präsentiert sich Getruda Gruber-Göpfertova, in einem, wie ich vermute Selbstporträt. „Frontal in der U-Bahn“ heißt die Arbeit und ist im Stil ganz unverkennbar Göpfertova – Expressionismus. Unmittelbar nebenan die Arbeit von Brigitte Huchler „Humankapital“, ein angekreuzter Kopf als Mischtechnik auf Holz.

Corinna Brandl nimmt diesmal raumgreifend großformatig an dieser alljährlichen Show teil. „Mensch und Radmaschine“ heißt diese ungewöhnlich archaische Arbeit, die sich benimmt wie moderne Höhlenmalerei im Dienste eines Gegenwartsthemas. Daneben ähnlich im Höhlenmalerduktus, den wir ja vor allem von den Expressionisten kennen und ein wenig auch aus der Arte Povera das Werk: „Running Noise“ von Edeltrau Brown und rechts davon und stilistisch verwandt, die Arbeit von Heidi Eichner “Handwäsche“, quasi das Negativ unseres Themas, – wahrnehmen durch weglassen – , der Waschmaschine nämlich. Es folgt die Skulptur von Christine Bross „lost and found“, kleine rostige Bleche, die in ihrer Deformierung etwas Organisch-Florales entwickeln.

Ein weiteres Großformat in diesem Raum präsentiert uns Monika Kaiblinger in ihrer witzig- satirischen Malerei “pasta asciutta“, flott und kenntnisreich gemalt, kenntnisreich in jeder Hinsicht, maltechnisch und nicht weniger hauswirtschaftlich, des Spaghetti-phönens wegen. Mindestens so witzig,  – also ich musste wirklich lachen beim Hängen – fand ich die Arbeit von Mario Aversano. Nicht nur, dass er – für ihn ungewöhnlich – mit seinem Objekt auf den Spuren seiner berühmten italienischen Landsmänner, wie Mario März und der ganzen „Arte povera-Fraktion“ wandelte, er titelt seine Arbeit auch noch mit dem wohl italienischsten Zitat, das wir in Deutschland kennen: „Ich habe fertig“, allerdings stellt er ein „Kunst“ davor mit drei Fragezeichen, also: „Kunst ??? …ich habe fertig.“ Und ich glaube ihm kein Wort, denn ich kenne ihn als großen Kämpfer in Sachen Kunst und muss fürchten, dass sein Werk eine Satire ist.

 

Weiter im Rundgang durch unseren schmalen Durchgang drängt Gabriele Granzer, ihr Werk in das kleine dort vorhanden Kabuff aus dem nun große schwarze Kugeln quellen in kalter Beleuchtung aus einer mit weißer Folie ausgekleideter Nische. Sehr kühl, sehr technoid und bedrohlich expansiv.

 

Ein wenig freier, wenn auch nicht viel größer wird es in unserem nächsten Ausstellungsbereich in dem die Maschine als Transportmittel dominiert, angefangen mit Uli Hutters schwarzem Motorradfahrer, dem Spielzeughaften Objekt von Renate Trobitsch „Pegasus 2000“ …und weiter mit der Plakat-Übermalung  einer Modelleisenbahnwerbung von Märklin mit dem Titel „remember“  von Helmut Ranftl und in Adelheid Schmidingers romantischer Fotografie “woher – wohin“, sind es die leeren Geleise die Abschied und Vergehen transportieren. Bezeichnend ist auch der Titel der Arbeit von Gabriele Stolz, nämlich das abgewandelte Bibelwort: “denn sie, wissen was sie tun“ für ihre düstere Darstellung der maschinellen Kulisse einer Hühnerfabrik. Und zum Abschluss gibt es in diesem Raum von Hans Gröger noch einen malerischen Blick in maschinelle Eingeweide.

 

Joseph Köstlers Großformat im anschließenden und unserem größten Ausstellungsraum ist ein wuchtiges Gemälde über die industrielle Serie. In strenger Aufteilung komponiert Joseph Köstler 21 Ölfässer auf 6 1/2 Paletten als 21 gebrochene Farbfelder auf ungrundiertem Leinen. Rechts davon folgt Juliane Halff mit einer abstrakt impressionistischen Malerei mit dem Titel: „Zeitspuren“ und als letztes Gemälde in der Reihe zeigt Ulrike Blum ihr Werk Matrix, wie die Übermalung einer Übermalung aus der sich nur noch schemenhaft ein Porträt abzeichnet. Und was wäre unsere Ausstellung ohne Manfred Feith-Umbehrs rotlakierte Stühle. Diesmal auf den Kopf gestellt und in seiner kühlen Optik ein Objekt ohne jedes Zeichen menschlichen Dazutuns.Lieselotte Sanfort zeigt auf der nächsten Wand quadratisch-chaotische Strukturen in Ölkreide und zum Ausgang hin präsentiert Rita Bugar aus dem Atelierkollektiv der Münchener Domagstrasse ihre blauschwebende Acrylmalerei „Ins All“.

 

Im benachbarten kleinen Raum trifft man jetzt auf eine relativ bunte Mischung. Bunt im Wortsinn und in der Mischung eine Menge farbenreiche Varianten unseres Themas. Das beginnt zunächst mit Getrud Kaisers „Aller Anfang“, ein Kinderporträt mit technischem Spielzeug, Fritz Robitschs „die inkompetente Allvernetzung“, ein Titel, der allein schon viele Bezüge zulässt, weiter mit Karl Holzners superpatiniertem „Ecce Homo“, also hier das neutestamentarische „sehet ein Mensch“ und eben keine Maschine, gleich daneben in scharfem Kontrast, inhaltlich wie malerisch, ein Mädchen auf der Waschmaschine von Petra Jahn, das sie „Schleudertrauma“ nennt und daneben Birgit Mossmüllers abstrakte Kaspar David Friederich-Adaption: „Wanderer ohne Nebelmeer“. Katrin Meindl zeigt eine Assemblage aus Verpackungskarton, –  ihr bevorzugtes Material – und ließ sich von der Formensprache diese geformten und genormten Kartons zu ihrer Arbeit: „Maschinerie mit Mensch“ inspirieren. Und Albert Bernstetter beendet die Reihe der hier ausgestellten Werke mit der bearbeiteten, großen Fotografie einer Fabrikanlage.

 

Bevor wie nun in den Gewölbekeller kommen, ist kurz vorm Treppenabsatz Marianne Igels Dipthychon „Umweltfreundlich ?“ zu sehen und ihr gegenüber eine „Boisage“ von Adolfo Busler. Boisage ist Begriff für Holzarbeit. Ebenfalls aus Holz ist die Skulptur von Helga Goldhorn. „Mechanismus der Scham“ heißt die Skulptur, eine Frauenfigur die Helga Goldhorn in materialhafter Gegensätzlichkeit mit einem metallenen Flaschentrockner krönte.

 

Im Gewölbe wird man zuerst einmal von Kiki Kleists von Brökels Mischtechnik, einem extremen Hochformat „Schreibmaschine“ empfangen und gleich darauf von Mathias Raffaels lebensgroßen Kunstharz-Homunkulus, der sich einem durchsichtig und mit transparenten Blutbahnen, wie ein Alien in den Weg stellt. An die Wand gelehnt folgt ein Verpackungsobjekt von Marion Kozel mit dem appellativen Titel: „Mensch werde du zur Maschine!“ und dann natürlich die zentrale Installation dieser Ausstellung, Andreas Fischers: „Are you well“ die ich ja schon zu Beginn dieser Einführung beschrieb. Auf der rechten Seite flankiert Angela Reinthaler unser Hauptwerk mit einer trashigen Madonna im elektrischen Glorienschein und Katrin und Anne Meindl, ebenfalls mit einer Gemeinschaftsarbeit und einem ähnlich witzig-trashigen Objekt aus Kabeln und Steckern.Jan Pohl zeigt ein Pastellkollage mit Architektur- und Industrieassoziationen und ganz zum Schluss Gabi Drägers Gemälde eines Hasen, der sich irgendwie vergeblich auf einer nackten Frau bemüht und dass sie, – passend zur Ausstellung und nicht weniger zu ihrer bizarr-erotischen Bildsprache: „Kurzschluss oder technisches Versagen“ titelt.

 

Zusammenfassend und im Versuch diese Ausstellung als Gesamteindruck zu bewerten, nachdem ich bestimmt dreißig mal durch diese Mensch-und-Maschinen-Schau gelaufen bin, überkam mich die Vorstellung eines vielstimmigen Raunens, – samt ein paar Zwischenrufen natürlich – aber doch so etwas wie ein gleichbleibendes Geräusch, also keine lauten Schöne-Neue-Welt-Rufe, kein 1984, Fukushima oder Snowden. Und so scheint es mir, als spiegele die Stimmung dieser Ausstellung unser Zögern zwischen Misere und Utopie auf der Schwelle in den nächsten Raum, ins schon begonnene Jahrhundert und in ein anderes von Maschinen oder neurokypernetischen Modellen geprägten Leben. An dieser Grenze schauen wir ein wenig zurück und ein bisschen auf unsere Füße und trappeln auf der Schwelle und bemerken nebenbei, dass unsere Visionen von heute morgen schon nachmittags obsolet sind. Aber was soll´s. Kunst erneuert sich jeden Tag und hat Antworten auf nie gestellte Fragen, ist allen Visionen voraus und hat doch keine Zukunft, weil sie ihrem Wesen nach zeitlos ist. Aber vor allem schaut sie zu und hin, wie man es besser als in dieser Ausstellung nicht beobachten kann, denn ihre wahre Heimat ist die „Schwelle ins Ungewisse“ auf der wir hier alle stehen, raunen und Geräusche machen.

 

Stefan Scherer | 08.12.2013

 

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